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WinGeno-Alternative: 4 Optionen im Vergleich
WinGeno ist kostenlos, zeichnet aber keine Beziehungsqualitäten; eine neue Version gibt es seit 2020 nicht. Vier Alternativen: Notation, Preis, Datenschutz.
Aktualisiert September 20264 Min. Lesezeit
WinGeno ist für viele der erste Kontakt mit digitalen Genogrammen: kostenlos, deutschsprachig, ohne Konto, ohne Installationshürden. Das Programm stammt von Ingo H. de Boer, die Oberfläche gibt es auf Deutsch, Englisch, Französisch und Spanisch, und es läuft unter Windows ab 7 SP1, mit Einschränkungen auch unter Linux und macOS.
Wer nach einer Alternative sucht, tut das in aller Regel aus einem von drei Gründen. Dieser Text nennt alle drei, ordnet vier Alternativen danach ein, welche Lücke sie schließen, und sagt auch, wann WinGeno die richtige Wahl bleibt.
Offenlegung: FamRoots ist eine der vier Alternativen unten, und myGenogram wird vom selben Team herausgegeben. Der Abschnitt zu FamRoots nennt auch, was das Programm aufgibt.
Die Angaben zu WinGeno stammen von der Herstellerseite, geprüft am 20. September 2026; nur die zum Export stützen sich auf Verzeichnisse Dritter. Preise anderer Programme nennt diese Seite nicht, weil die Hersteller sie ändern; die aktuellen stehen jeweils beim Hersteller.
Wo WinGeno an Grenzen stößt
Es fehlen die Beziehungsqualitäten. Der Hersteller schreibt selbst, dass WinGeno keine sozialen und emotionalen Beziehungen darstellt. Damit fehlen genau die Linien, die ein Genogramm von einem Stammbaum unterscheiden: Konflikt, Abbruch, enge oder überinvolvierte Bindung, Distanz. Für eine reine Strukturkarte der Familie reicht das Programm; für die klinische Arbeit nach McGoldrick fehlt der Teil, der die Aussage trägt.
Eine neue Version gibt es seit 2020 nicht. Der Hersteller nennt auf seiner Seite 1.2.1.0 vom Juni 2020 als aktuellen Stand. Die beiden Download-Dateien tragen dagegen ein Änderungsdatum vom 23. April 2024, geprüft am 20. September 2026. Was sich darin geändert hat, schreibt er nirgends. Ob das Projekt weiterläuft oder eingestellt ist, können Sie daraus nicht ablesen. Für die Praxis zählt ohnehin weniger die Versionsnummer als die Zusage: Wer eine Anpassung an künftige macOS- oder Windows-Versionen braucht, bekommt dafür keine. Ein fertiges Programm darf fertig sein; das ist kein Mangel an sich, solange es auf Ihrem System läuft.
Die macOS-Unterstützung ist eingeschränkt. Der Hersteller schreibt selbst, WinGeno sei „originally developed for Windows and is not designed for MacOS“. Als Einschränkung nennt er: „WinGeno will not work with 64-bit Mono“. Der Startbefehl lautet entsprechend mono --arch=32. macOS führt seit Catalina von 2019 keine 32-Bit-Anwendungen mehr aus, und die Screenshots auf der Herstellerseite zeigen El Capitan und Sierra.
Zum Export macht die Herstellerseite keine Angaben. Verzeichnisse Dritter beschreiben Bildexport und das Einfügen in Office-Dokumente. Wer sich darauf verlässt, sollte es vor dem ersten Fall prüfen.
Die Alternativen
GenoPro: wenn lokale Speicherung und Einmalzahlung bleiben sollen
GenoPro ist die nächstliegende Alternative für alle, denen an WinGeno gerade die lokale Speicherung und die fehlende Abogebühr gefallen haben.
Das Programm ist seit Ende der Neunzigerjahre in Entwicklung und setzt die McGoldrick-Notation vollständig um, einschließlich Beziehungslinien und medizinischer Marker. Berichte und ausführliche Anmerkungen richten sich an die klinische Dokumentation. Die Einzelplatzlizenz bezahlen Sie einmal.
Die Oberfläche ist Windows-nah und wirkt funktional statt zeitgemäß; die Einarbeitung dauert länger als bei WinGeno. Dafür bekommen Sie die Beziehungslinien, ohne die lokale Speicherung aufzugeben.
Schließt die Lücke: Notationstreue. Behält: lokale Dateien, kein Konto, keine Monatsgebühr.
FamRoots: wenn Weitergabe und Betriebssystem im Weg stehen
FamRoots läuft im Browser und ist damit unabhängig vom Betriebssystem. Die Notation ist der aktuelle McGoldrick-Standard mit Beziehungslinien und medizinischen Markern. Sie teilen ein Genogramm über einen Link, den die empfangende Person ohne eigenes Konto öffnet. Der Umweg über eine Datei per E-Mail entfällt.
Bis 50 Personen ist die Nutzung kostenlos; darüber zahlen Sie pro Genogramm statt einer Monatsgebühr. Für den überwiegenden Teil der Einzelfälle reichen 50 Personen über drei Generationen aus.
Der Unterschied zu WinGeno, auf den es ankommt: Die Daten liegen auf einem Server, nicht auf dem eigenen Rechner. Den Inhalt des Genogramms verschlüsselt FamRoots vor dem Speichern, die Server stehen in Frankfurt. Gelöscht wird auf Anfrage. Bei Klientendaten prüfen Sie die Datenschutzerklärung trotzdem selbst. Wer lokale Speicherung aus grundsätzlichen Erwägungen braucht, ist bei GenoPro besser aufgehoben.
Schließt die Lücke: Notationstreue, Weitergabe, plattformunabhängiger Betrieb. Gibt auf: lokale Speicherung.
Draw.io: wenn es kostenlos bleiben muss
Draw.io (diagrams.net) ist vollständig kostenlos, läuft im Browser oder als Desktop-Anwendung und exportiert in viele Formate. Genogramm-Symbole bringt es nicht mit; die Bibliothek legen Sie selbst an, und die Community teilt Vorlagen als Ausgangspunkt.
Der Preis dafür ist Aufbauarbeit vor dem ersten Genogramm, und die Notation wird nur so genau wie die Bibliothek, die Sie gebaut haben. Für einen einzelnen Fall, für die Lehre oder wenn kein Budget da ist, ist das ein vertretbarer Tausch. Für laufende klinische Arbeit ist die Zeit meist teurer als eine Lizenz.
Schließt die Lücke: nichts, was WinGeno fehlt. Behält: Kostenfreiheit.
Stift und Papier: unterschätzt
Viele Fachkräfte skizzieren das Genogramm während der Sitzung von Hand und übertragen es erst danach. Kein Programm, keine Einarbeitung, keine Datenspeicherung. Wenn Sie WinGeno vor allem deshalb nutzen, weil es schnell und anspruchslos ist, prüfen Sie, ob die Arbeitsfassung überhaupt digital sein muss.
Wann WinGeno bleiben darf
Wenn Sie eine Strukturkarte der Familie brauchen und das Programm auf Ihrem System stabil läuft, gibt es keinen Grund zu wechseln. Das gilt erst recht, wenn Sie ohne Beziehungsqualitäten auskommen und kein Konto anlegen wollen.
Ein Wechsel lohnt sich in drei Fällen: wenn Ihnen die Beziehungslinien fehlen, wenn Sie ein Genogramm ohne Dateiversand weitergeben wollen, oder wenn ein Systemwechsel ansteht. Ein Programm ohne zugesagte Anpassung an künftige Systemversionen nehmen Sie dann besser nicht mit.
Der ausführliche Vergleich aller Kriterien steht auf der Seite Professionelles Genogramm-Tool.
Wenn Sie so weit sind
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